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01. Dezember

Das schöne Land Klimanien

Es war einmal in einem fernen Land vor langer, langer Zeit ein kleiner Glau. Der lebte in einer Doppelnatur. Er besaß eine endlose sommergrüne, saftige Wiese, auf der er tagelang spielen oder Tiere beobachten konnte. Und er besaß eine ebenso endlose winterweiße, hügelige Wiese, die sich wunderbar zum Schlittenfahren eignete. Der Glau nannte sein Land Klimanien, vermutlich weil ihm kein besserer Name eingefallen war.

Zwischen den Wiesen befand sich aber eine kleine Hütte, deren eine Seite aus Stein gemauert war, deren andere Seite von oben bis unten aus Fenstern und Türen bestand. Die gemauerte Hälfte stand auf der winterweißen Wiese, gerade so, dass sie nicht von einem der Hügel herunter rutschen konnte. Und die Fensterseite bot einen herrlichen Blick in die weite Landschaft Klimaniens. In dieser Hütte lebte der Glau. Aber leider, leider, leider: er lebte ganz allein…

So musste der Glau alles alleine machen, denn die Tiere, denen er auf der Wiese begegnete, waren nur gut zum herumtollen. Arbeiten wollten sie nicht. Und nur wenige von ihnen waren gezähmt. Der Glau musste sich selbst mit Essen versorgen. Was jedoch nicht sonderlich schwer war, denn im grünen Land konnte man einige Bäume und Sträucher finden, an denen die vortrefflichsten Beeren wuchsen. Aus den Blättern ließ sich ein leckerer Salat bereiten. Er hätte sich sogar ab und zu, aber natürlich nur wenn es keiner sah, einen Splukus fangen können. Aber bisher war ihm das noch nie gelungen. Im Schneeland konnte sich der Glau jeden Tag mit frischen Getränken versorgen, denn es lag ja überall genug Schnee herum und je nachdem, ob er sich den Schnee von dieser oder jenen Stelle holte, hatte das Schmelzwasser einen anderen Geschmack.

Natürlich musste der Glau auch alles, was ihm entzwei brach selbst wieder reparieren. Und er musste sich selbst einen Namen geben. Es gab ja sonst niemanden der sprechen konnte. So nannte er sich einfach Galu. Er fand halt, dass dieser Name leicht zu merken sei. Für einen Glau hatte sich Galu schon immer gehalten. Das schien ihm das natürlichste der Welt zu sein. „Ich bin ein Glau. Der Himmel ist blau. Die Tiere sind manchmal nicht schlau.“ So etwas sagte er sich, wenn er sich mal wieder kräftig über etwas gewundert hatte.

Nun waren die beiden Wiesen aber so beschaffen, dass sie niemals ein Ende nahmen. Zumindest hatte der kleine Glau es noch nicht erreichen können. Immer wenn er sich mit seinem Schlitten auf den Weg machte und bald den sanften Hang herunter rutschte, bald den Schlitten an die Leine nehmend einen Hügel erklomm, kam es ihm vor, als würde es rings um ihn immer eisiger. Schon nach kurzer Zeit fror er an der Nase – und wie man weiß sind Glaue an den Nasen sehr empfindlich. Es blieb ihm dann nichts übrig, als den Heimweg anzutreten, ohne das Ende seiner Winterwiese gesehen zu haben.

Wenn er aber in die andere Richtung ging, schien es ihm, als würde seine sommergrüne Wiese immer saftiger werden. Je weiter er sich ins Land tummelte, desto satter und kräftiger wurde das Grün, so dass er beinahe fürchten musste, vor lauter Farbe zu ersticken. Zugleich wurde es immer schwüler, und bald bildeten sich kleine Schweißperlen auf der zarten Haut des Glaus. Sein Gesicht wollte ihm endlich fast zerfließen und der Glau musste auch hier um seine Nase fürchten.

So oft er diese Erkundungstouren unternahm, so oft musste er wieder umkehren. Wenn er aber in der Nähe seiner Hütte blieb und beide Hälften Klimaniens in seiner Nähe hatte, ging es ihm gut. Es ging ihm ausgezeichnet. Denn eigentlich lebte er in einem Paradies. Manchmal jedoch hatte er das merkwürdige Gefühl, als sei er ein Gefangener dieses Paradieses. Ja, als wollte ihn das herrliche Wetter Klimaniens hier festhalten und das glaufeindliche fernere Land war ihm wie eine Mauer. So gern Galu in seinem Land zu Hause war, so sehr plagte ihn manchmal die Neugier…

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