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02. Dezember

Wie der Glau einen ganz merkwürdigen Splukus fing

Als der Glau eines Tages einen Bärenhunger hatte, obwohl er noch nie zuvor von einem Tier namens Bär gehört hatte, zog er los um einen Splukus zu fangen. Wer schon einmal den Versuch unternommen hat, einen Splukus zu fangen, weiß mit welchen Schwierigkeiten das verbunden ist. Erstens sind Splukusse bekanntlich nur nachts aufzutreiben und zweitens verspüren sie nur selten das Bedürfnis gefangen zu werden. So hatte Galu es in einem Buch in seiner Hütte gelesen. Galu hatte sich das aber nun in den Kopf gesetzt. „Ich bin ein Glau. Splukusse sind schlau. Und heute Abend bin ich satt,“ sagte er, obwohl sich das gar nicht reimte. Dass es aber am Abend Splukusbraten geben sollte, das war so klar, wie Schmelzwasser.

Er nahm also alle Widrigkeiten in Kauf. Die größte bestand darin, dass es in Klimanien niemals dunkel wurde. Wie also sollte er einen Splukus finden, der sich nur in der Dunkelheit zeigt? Eine Entdeckung auf einer seiner letzten Reisen war, dass sich in Schneeland unter den sanften Hügeln Höhlen befanden. Hier war es immer dunkel. Allerdings war das Klima in Schneeland nicht gerade splukusfreundlich. Wie er in einem alten Buch gelesen hatte, gibt es Splukusse, wenn überhaupt, dann nur in Grünland.

Wie aber sollte Galu einen Splukus in die entfernt gelegene Höhle locken, in der er ihm dann auflauern konnte? Galu überlegte hin und her. Er stellte sich vor, was ihn selbst in das kalte Schneeland locken würde. Nur die Vorstellung, dass man dort Schlitten fahren kann, fand er gut. Aber warum um alles in der Welt sollte ein Splukus auf die Idee verfallen Schlitten zu fahren? Obwohl er ein wenig Bedenken hatte, stellte Galu einen Schlitten, bereit zur Abfahrt, an den Rand Schneelands. Außerdem zog er noch eine Spur direkt bis zum Eingang der ersten Höhle. Dort setzte er sich mit einem Seil in der Hand in die Ecke und wartete. Und wartete... Um es kurz zu machen: Es kam kein Splukus.

Galu wartete insgesamt einen dreiviertel Tag. Dann überlegte er von neuem: „Ich bin ein Glau, der Schlitten ist schau. Und der Splukus weiß nicht so genau, was er machen soll.“ Galu saß inmitten eines Schneeberges und dachte an die schönen Wiesen von Grünland. Er dachte daran, dass er in Grünland Beeren pflücken könnte, statt hier auf seinen Braten zu warten. Er ging also zurück nach Grünland und pflückte sich sein Abendessen. Beeren und Veilchen für den Veilchenblattsalat.

Am Abend saß er in seiner Hütte, aß die Beeren, die ihm eigentlich gar nicht so recht schmeckten und grübelte. Dafür steckte er aber immer wieder seine Nase in den Veilchenstrauß, der so köstlich duftete. Plötzlich fiel ihm ein, dass er ja den Schlitten am Rand von Schneeland vergessen hatte. Er zog sich also einen Mantel an, nahm den Veilchenstrauß als Imbiss für unterwegs, außerdem das Seil, um den Schlitten nach Hause zu ziehen. Als er dann aber den Schlitten von Weitem sah, glaubte er zunächst zu träumen. Der Schlitten bewegte sich scheinbar von selbst den Hügel hinauf und herunter. Schnell lief er näher um das Wunder zu sehen. Da saß doch tatsächlich ein ganz winzigkleines Wesen – und das war wohl ein Splukus – auf dem Schlitten und vergnügte sich auf das herrlichste und das alles während der hellsten Helligkeit. Galu sagte sich: „Jetzt kommt der Glau. Und ich weiß ganz genau, dass ich mir den da zu fangen trau!“

Von hinten kroch er den Hügel hinauf. Und als er oben angekommen war, machte er sich ganz klein, um den Splukus zu überraschen, sobald dieser mit dem Schlitten die Bergspitze wieder erreicht hatte. Doch bevor es dazu kam, sah er mit einem Mal, dass der Splukus mit dem Schlitten schon auf ihn zu kam. Und er fuhr bergauf. Schwupps, stand der Schlitten vor ihm, der Splukus sprang ab und rannte auf die Veilchen in Galus Hand zu. Beinahe wäre er in den Strauß hinein gekrochen, hätte Galu nicht rechtzeitig die Hand nach oben gezogen. So stand er nun da und fasste einen Plan. Er rannte zum Schlitten, legte dort ein Veilchen ab und rannte dann so schnell er konnte zur Höhle, wobei er immer wieder ein Veilchen fallen ließ. Er hatte nicht viel Zeit, denn der kleine Splukus war schon auf den Schlitten gesprungen und hatte das erste Veilchen an sein Herz gedrückt. Nun brauste er in vollem Tempo hinter Galu her und sammelte alle Blumen auf, bis er an den Höhleneingang kam. Da stand Galu mit dem Seil und wartete bis der Splukus in der Höhle verschwunden war. Doch noch eh er sich recht besinnen konnte war der Splukus schon wieder hinaus und seufzte: „Ach herrje. Da drinnen ist es viel zu dunkel zum Blumen pflücken. Komm, wir gehen wieder Schlitten fahren.“

Galu hatte einen Splukus reden gehört. Das war ihm noch nie vorgekommen. Er war so durcheinander, dass er ganz vergaß den Splukus zu fangen. Statt dessen trottete er hinter ihm her und sah ihm mit verdattertem Blick beim Schlittenfahren zu.

Am nächsten Tag wurden Galu und der Splukus Freunde. Und das kam so…

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