Der unentdeckte Raum

Da war wieder dieses Zimmer. Ich sollte es von irgendwoher kennen. Und es war in jeder Wohnung versteckt, die ich bisher bezogen hatte. Es war auch in den Wohnungen und Häusern, die in meinen Träumen auftauchten. Allerdings veränderte sich die Zimmereinrichtung immer ein klein wenig.
Es lag unter dem Dach. Nach links hin gab es einen langgestreckten Raum mit einer Ecke, in der die Küche war. Weiter hinten gab es eine Hintertür, die zum Zimmer der Mitbewohnerin zurückführte. Immer, wenn ich eintrat hatte ich das Gefühl, der Raum dehne sich aus. Es wuchs und wuchs. Oder ich schrumpfte. Bald konnte man zwei Schlafplätze einrichten, wo bisher nur einer war. Das Zimmer war hell. Alle Wände waren schneeweiß. Die Möbel größtenteils mit Baumwollstoffen behangen. Eine stetig behagliche Atmosphäre, obwohl die Möbel sich immer wieder veränderten. Es gab Platz. Und jedes mal, wenn ich diesen Raum vor mir sah, machte ich die überraschende Entdeckung, dass ja noch eine weitere Tür nach rechts ging. Hier gab es eine Dachkammer, die zwar etwas rumpelig aussah, aber eigentlich nur darauf wartete hergerichtet zu werden. Sie hatte auch eine Verbindung nach draußen. Das Haus musste an einem Hang stehen, denn die Kammer wurde nach hinten immer schmaler und mündete in eine Tür, hinter der sich der schönste Garten der Welt befand. Ich fragte mich, warum niemand den Raum nutzen wollte. Wahrscheinlich war es so, dass wir beide es nicht übers Herz brachten etwas mehr Platz zu beanspruchen. Wir waren so sehr voller Rücksichtnahme, dass wir uns gegenseitig schadeten. Es blieb also bei der Brache, daran werden auch künftige Träume nichts ändern.
Diesen Traum habe ich schon in tausend Varianten geträumt.