Cookie-Richtlinie Datenschutzerklärung 048 Spielanleitung

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Spielanleitung

1. Einführung

Im Anfang war alles nur Spiel. Und das Spiel war immer bei uns. Und wir waren das Spiel. Alles ist durch das Spiel geworden und ohne das Spiel ist nichts entstanden, was entstanden ist. Und alles, was entstand, wurde wieder nichts.

2. Vorbereitung

Die Menschen werden in zwei ungleich große Gruppen geteilt. Ein Gebiet mit Wald und Unterschlupfmöglichkeiten wird abgesteckt.

Die erste Gruppe sollte in der Gegend ausschwärmen, sich in den Wäldern verstecken, den anderen auflauern, kurz, Guerilla spielen, so wie wir es in der Berichterstattung aus dem Kosovo, aus Tschetschenien, aus dem Jemen, aus Südsudan, kurz, im Fernsehen und Social-Media gesehen hatten.

Die zweite Gruppe, hat den Auftrag, die Rebellen aufzuspüren, einzusammeln und, wenn ihr das erfolgreich gelungen war, symbolischen zu exekutieren.

Anschließend werden zwei Zeichen vorbereitet.

a) Rote Blätter

Die roten Blätter werden den Exekutierten über das Herz geheftet, wenn sie getroffen werden. Die „Toten“ sind dann frei und können sich, quasi als Geister, auf dem gesamten Terrain bewegen. So wie sie wollen. Es ist ihnen auch erlaubt zu ihrer Gruppe zurückzukehren, um ihnen als Orakel zu dienen, oder sogar zu versuchen, die einige Mitglieder der Ordnungsmacht auf die Seite der Rebellen zu bringen.

b) Kleeblätter

Die Kleeblätter werden der Ordnungsgruppe angeheftet, damit sie etwas länger erfolglos sind. Das bringt Glück.

Immer wenn die Rebellen ein Mitglied dieser Gruppe sehen, versuchen sie, es zu fangen und mit einem Kleeblatt zu markieren. Dann dürfen die markierten Person während drei Stunden nicht mehr weiterkämpfen. Sie dürfen sich nicht von der Stelle rühren. Wenn sie das doch tun, wird ihre Wartefrist verlängert.

 

3. Ziel des Spiels

Die zweite Gruppe kann nicht besiegt werden. Sie ist ja die Ordnungsmacht, die, wie im realen Leben, stets in der Überzahl ist. Sie kann nur Punkte verlieren, wenn sich ihr Kampf gegen die erste Gruppe zu lange hinauszögert.

 

4. Spieldauer

4 bis 8 Tage

 

5. Bei-Spiel

Im Anfang fiel es uns leicht, unsere Position zu behaupten. Wir hatten uns als Rückzugsgebiet eine Höhle ausgesucht, versteckt durch Gebüsch und Bäume, von den Spähern der anderen Gruppe nicht zu sehen. Aus diesem Vorteil heraus konnten wir immer, wenn wir einen einzelnen Feind sahen, zur Tat schreiten. Nach kurzer Zeit hatten wir beinahe die Hälfte der Gegner mindestens einmal neutralisiert. Doch nach und nach löste die Spielregel bei einigen von uns Unmut aus. Es würde uns nie gelingen alle zu erwischen, niemals würden wir uns aus unserer Verteidigungsposition befreien können.

Auch gingen die anderen immer gewitzter vor. Sie beschafften sich Jeeps, mit denen sie den Wald durchquerten und einzelne Rebellen vor sich herjagten. Nach zwei Tagen kamen sie mit Wurfnetzen, die es uns nahezu unmöglich machten, ihnen zu entfliehen. Nach vier Tagen hatten sie uns fast besiegt. Ich wurde gefangen. Man sperrte mich mit anderen in einen Jeep und fuhr uns in das Lager der Ordnungshüter. Auf dem Dach des Jeeps standen zwei Männer mit Holzgewehren. Sie hatten sich Ketten aus Tintenpatronen um den Hals gehängt, sodass sie Aussahen, wie echte Soldaten. Dann wurden wir aus dem Jeep gezerrt und auf einem Platz zusammen mit den anderen exekutiert. Man heftete uns rote Blätter an.

Nur dreien von uns war es bisher gelungen, sich so geschickt zu verstecken, dass niemand sie fand.

Im Lager der Ordnungshüter hatte sich in den vier Tagen einiges verändert. Sie hatten eine ausgezeichnete Befehlshierarchie ausgeklügelt. Alles lief wie am Schnürchen. Sie waren guter Dinge auch die letzten drei von unserer Gruppe noch aufzuspüren. Da ich nun Geist war beschloss ich unbemerkt zu unserer Höhle vorzudringen und die verbliebenen drei zu warnen. Doch ich blieb dabei nicht unbemerkt. Einige Ordnungshüter folgten mir. Als ich die Höhle erreicht hatte, überraschten sie mich. Ich sagte, ich sei schon exekutiert und zeigte mein rotes Blatt. Ich sagte, es würde ihnen nichts nützen, mich erneut einzufangen. Doch missachteten sie diese Tatsache. Sie sperrten mich in den Jeep und erstürmten dann die Höhle.

Kurze Zeit später kamen sie etwas außer Atem zurück und schleppten mich hinein in die Höhle. Dort hatten sie unsere drei letzten Kämpfer aneinander gefesselt. Die Ordnungshüter schleppten mich vor die drei und präsentierten mich als Verräter. Dann lösten sie die Fesseln und hießen uns einen Gang entlangzugehen. Sie sagten, wenn es uns gelänge, aus dieser Höhle zu entkommen, wären wir frei. Die anderen drei blickten mich finster an. Dann gehorchten wir.

Uns blieb nichts übrig, als dem Gang zu folgen, denn Ordnungshüter blieben hinter uns mit ihren Wurfnetzen stehen. Der Gang wurde immer niedriger, und er schien unendlich zu sein. Die Enge verursachte uns einige Probleme. Einer von uns sagte, dass er aufgeben wolle. Er kroch zurück und wir krochen zu dritt weiter.

Nach einiger Zeit hörten wir von hinten Maschinengewehrschüsse und einen Aufschrei. Beides, die Salve und der Schrei hallten ewig lang in den Gängen nach. Uns packte die Angst. Es war doch nur ein Spiel. Vielleicht aber war es nur eine Tonband-Aufnahme, die uns Angst einjagen sollte. Für einen kurzen Moment waren wir uns unschlüssig. Dann krochen wir weiter. Umkehren konnten wir ja noch immer. Unter uns war Felsen und Geröll, über uns lehmige Erde. Nach einiger Zeit konnten wir nur noch hintereinander kriechen. Ich kann nicht mehr genau sagen, wie viele Tage wir kriechend und kauernd zubrachten. Uns schwanden jedenfalls die Kräfte. Immer heftiger mussten wir atmen, da die Luft immer stickiger wurde. Am Schluss konnten wir uns nur noch auf dem Bauch liegend Zentimeter für Zentimeter vorwärts robben. Dann brach einer meiner Leidensgenossen zusammen. Er schrie noch einmal kurz auf und blieb liegen. Da wir hinter ihm waren, kamen wir nun nicht mehr an ihm vorbei. Dazu war der Gang zu schmal. Ich schlug vor, uns ein wenig auszuruhen, und uns dann nach oben durch den Lehm zu graben. Wir waren immer leicht bergan gekrochen. Vielleicht war es ja nicht allzu weit bis zur Oberfläche. Doch mein letzter Freund sagte, er wolle lieber zurück durch den Gang kriechen Vielleicht hätten die Ordnungshüter die Höhle ja inzwischen verlassen.

Also begann ich mein Werk allein. Den toten Körper unseres Freundes ließ ich unter den herunter bröckelnden Lehmklumpen zurück. Schon nach einer Stunde verspürte ich sogar durch die Lehmfurchen hindurch einen Hauch frischer Luft. Ich grub schneller. Dann löste sich plötzlich ein ganzer Schwall kühler Erde über mir und ich sah direkt auf eine runde Mondscheibe. In einiger Entfernung hörte ich das Rattern der Maschinengewehre. Ich erschrak. Wie aus dem Nichts baute sich da über mir ein Schatten auf. Ein Mensch mit Stahlhelm schaute auf mich herab. Sein Mund grinste.

„Wer hat dir gesagt, dass du dein Grab verlassen darfst?“ Ein Schuss knallte. Ich begann zu sterben. Erde wurde über mich geschaufelt. Die Luft ging mir aus. Seither liege ich hier unter einer Welt begraben, die ich mir nicht erklären kann.

 

6. Ende des Spiels

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