Galu braucht einen Plan und Mozzel hat ihn
Mozzel und Galu, der inzwischen wieder auf die Beine gekommen war zogen los. Doch Galu wusste noch gar nicht so richtig wohin. Mozzel aber schritt schnurstracks aus dem Haus, lief ein paar Mal hin und her und dann ein paar Schritte genau auf der Grenze zwischen Grünland und Schneeland entlang.
„Hey Mozzel!“ rief Galu. „so einfach geht das nicht!“ Wir sollten uns zuerst überlegen, welchen Landesteil wir durchqueren wollen. Denn davon hängt ab, was wir für die Reise einpacken müssen. Ich würde nämlich gerne, wenn wir durch Schneeland wandern, noch einen Schal und Handschuhe einstecken. – Mozzel?“
Mozzel schien ihn gar nicht zu beachten. Irgendwann aber blieb er plötzlich stehen. Er drehte sich um und blickte dem hinterher trottenden Galu ins Gesicht. „Wo“, fragte er, „bist du gewesen, um das Ende deines Landes zu erreichen?“
„Na, das sagte ich doch schon. Ich habe versucht, beide Landeshälften zu durchqueren, aber in Schneeland wurde es mir zu kalt und in Grünland bin ich so sehr ins Schwitzen geraten, dass ich dachte mein Gesicht zerfließt. Und immer hatte ich Angst um meine Nase. Und wie du vielleicht weißt, ist eine Glau-Nase nicht besonders…“
„Quatschkopf!“ sagte Mozzel. „Hast du denn gar keine Idee, was wir jetzt tun könnten? Man muss, wenn man ein so schwieriges Ziel erreichen will, wie du es dir vorgenommen hast, die Struktur durchschauen. Man darf sich nicht von den Gegebenheiten fangen lassen. Hörst du?“
„Nicht fangen lassen. Aber ich bin doch gefangen!“
„Quatschkopf!“, sagte Mozzel schon zum zweiten Mal. „Das ist wie bei den Menschen. Die warten und warten am Weihnachtsfest auf die schönsten Geschenke und wundern sich, dass sie sich nicht mehr von Herzen freuen können, wenn sie dann ein Geschenk erhalten haben. Denk doch mal nach!“
Galu konnte nicht auf Befehl denken. In einem einzigen Satz hatte er so viele Fremdwörter gehört, dass ihm ganz schwindlig wurde. Er setzte sich auf einen Stein. „Was ist das alles für ein Zeug, von dem du redest? Menschen, Geschenke, Weihnachten. Ist das gefährlich? Und was um alles in der Welt, willst du mir damit sagen?“
Mozzel hatte noch nie in seinem Leben einen so begriffsstutzigen Glau gesehen wie Galu. Vielleicht lag das aber auch daran, dass Splukusse über Fähigkeiten verfügten, von denen ein Glau nur träumen kann. „Also Weihnachten, das ist ein Fest. So etwas in der Art wie unsere Begegnung. Da sitzt man zusammen, man erzählt, man isst und trinkt und feiert das Fest der Liebe. Und die Menschen, ja die Menschen – die gehören zu den wunderlichsten Wesen, die man sich nur vorstellen kann – die haben das Fest der Liebe bitter nötig.“
„Sag mal Mozzel … von welchem Stern bist du eigentlich?“ wollte Galu wissen. „Du bringst mich vollkommen durcheinander mit deinen seltsamen Wörtern. Dieses Weihnachten mag ja ganz schön sein, aber wir wollen doch jetzt herausfinden, was am Ende von Klimanien ist.“
„Also, pass mal auf Galu! Stell dir vor, Klimanien wäre Weihnachten. Und am Rand von Klimanien würdest du das schönste Weihnachtsgeschenk erhalten, das du dir nur vorstellen kannst. Und stell dir weiter vor, dass alle deine Versuche, dieses schönste Geschenk zu erhalten gescheitert sind, weil du schon vorher wusstest, was dich erwarten würde und egal, was du dir wünscht, die die Kälte von Schneeland oder die erstickende Fülle von Grünland lassen dich jedesmal scheitern. Was tust du dann?“
„Ich suche mir einen Freund, mit dem ich zusammen den Rand viel einfacher erreiche, nicht wahr Mozzel? Ich bin ein Glau, mein Freund ist schlau. Und zusammen finden wir den Weg genau.“
„Fast!“ sagte Mozzel. „Du musst einfach den anderen Weg gehen. Du könntest doch, statt ein Geschenk zu erwarten für deinen besten Freund ein Geschenk basteln. Dann freust du dich plötzlich viel mehr darüber, dass dein Freund sich freut und brauchst selber kein Geschenk mehr.“
„Das ist der andere Weg?“ Galu musste überlegen. Wenn er seinen Freund richtig verstanden hatte, dann sollte man vielleicht einfach einen anderen Weg wählen, um dorthin zu gelangen, wo die bekannten Wege versagten.
