Cookie-Richtlinie Datenschutzerklärung 16. Dezember

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16. Dezember

Gila mogelt ein wenig

 

Gila hatte es gewusst. Ihr Enkel würde sich für den richtigen Weg entscheiden. Das Schloss war nicht weit von dem Punkt entfernt, an dem Galu Sebabel erreichen würde. Sie saß an ihrem Fenster und blickte in die Weite der Landschaft. Vor ihr breitete sich eine lange Allee in Richtung Osten aus. Ein Weg, den viele Menschen täglich benutzten um ihrer Arbeit nachzugehen. Doch nie hatten sie gesehen, dass der Berg Greb direkt vor ihnen lag. Sie waren in ihrer eigenen Welt und verirrten sich täglich zwischen den dicken Bäumen der Allee. Gila dachte oft, dass sie nicht wirklich arbeiteten, sie suchten nur nach Ablenkung. Das wesentliche sahen sie nicht.

Gila jedoch sah mehr. Sie blickte nicht nur auf die Allee. Sie konnte weit im Hintergrund auch die schroffen Felskanten des Berges sehen. Und sie sah jetzt, nachdem der Nebel sich etwas gelichtet hatte, ganz winzig und ach! - wie weit entfernt, wie sich ein Wesen abmühte, diesen Berg zu überwinden. Es war ihr Enkel. Gila, sah, wie er einige Male den Halt verlor, abrutschte – ihr blieb das Herz stehen – aber immer hatte der kleine Glau Glück, er fiel nie tief, er verlor nie den Mut und kletterte weiter. Oft musste er seine Strickleiter in die Höhe werfen und hoffen, dass sie sich an einem scharfen Felsvorsprung verfing. Es gelang ihm immer. Gila konnte deshalb zuversichtlich sein und auf eine sonderbare Weise glaubte sie zu spüren, wie sie mit ihrer Zuversicht den Weg des kleinen Glau verkürzen konnte. Und das tat sie auch. Sie sandte ihm ganz fiel Zuversicht.

Einmal noch kam der Schwarze zu ihr:

Du scheinst ein wenig zu mogeln, Gila!“

Gila sagte nichts dazu. Sie wusste ja, dass er genauso auf Galus Ankunft wartete, wie sie selbst. Ja, für ihn war es um so mehr eine Erlösung, da er ja schon viel länger darauf wartete, endlich seinen schwarzen Umhang beiseite werfen und sich den Menschen wieder in seiner wahren Gestalt zeigen zu dürfen.

Der Schwarze, stand eine Weile gemeinsam mit Gila am Fenster. Doch lange hielt er es nicht aus. Bald ging er wieder in eines seiner Zimmer im Schloss, die Gila nie hatte betreten dürfen. Von dort erklang dann ein Kratzen, Poltern und Hämmern, was Gila zu den absonderlichsten Gedanken veranlasste.

Was er nur wieder tut? dachte sie. Er kann nicht mehr warten. All die Jahre des Versteckens sind nicht spurlos an ihm vorbeigegangen. Er muss sich wieder zeigen dürfen, und bald wird er das dürfen. Bald würde Galu den Berg bezwungen haben und an die Grenze zu Sebabel gelangen.

 

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