Cookie-Richtlinie Datenschutzerklärung 17. Dezember

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17. Dezember

Galu hört Vögel sprechen

 

Mit jedem Schritt, den Galu aufwärts machte, schwanden seine Kräfte. Manchmal konnte er dem schmalen Pfad folgen, der weiter unten noch ein breiter Weg gewesen war. Manchmal jedoch, in den tiefen Schluchten des Berges, verschwand der Pfad unter vertrockneten Blättern. Hier brauste der Wind besonders stark. Und wenn er nach oben schaute, kam es ihm vor, als würde er von einem gewaltigen Wirbelsturm verfolgt, in dem Blätter und Staub durcheinander gewirbelt wurden, um sich immer dort abzusenken, wo er gerade entlang lief. Die Schritte wurden mühsam in dem tiefen Laub. Wo er auftrat wirbelten Staubwolken empor und brannten ihm in Nase und Augen. Zudem passierte nun etwas, was Galu nicht kannte. Es wurde Nacht. Eine schaurige, dunkle Nacht ohne Licht, ohne Sonne. Nur noch Schatten. 

Irgendwann konnte er über sich die Vögel kreischen hören. Jene Vögel, die er schon vom Fuß des Bergs aus gesehen hatte. Nun, in der Nacht, erkannte er jedoch nicht mehr schwarze und weiße Vögel, sie alle waren grau geworden. Mit jedem Schritt nach oben wurde das Kreischen lauter. Manchmal glaubte Galu in dem Kreischen Stimmen zu hören. Dann verstand er plötzlich, vereinzelt nur, Satzfetzen. Doch die genügten, um ihm gehörig Angst zu machen.

mitten im Winter – im Winter in der Nacht – schwarze ist es um dich – Arme, schwarz gefiedert – in der Nacht wo man schläft – Blätter nehmen dir das Licht – deine Zeit wird Staub – im Winter in der Nacht – der du durch die schwarze Nacht stapfst – ein Wesen einer anderen Welt – Licht in der Nacht gibt es nicht – ein Wesen einer anderen Welt bist du – mühst du dich weiter ab – ein Wesen einer anderen Welt tritt und stapft durch die Zeit - ein Wesen einer anderen Welt – der meint er könne die Nacht überwinden – wo doch selbst wir verzweifeln –

Galu hielt sich die Ohren zu und schrie nach Mozzel, doch der konnte ihn hier nicht hören. Mit den Händen vor den Ohren stapfte er weiter, bis es irgendwann, nach unendlich langer Zeit hell wurde. Noch immer flogen Vögel über ihm, doch ihr Kreischen wurde leiser. Die Satzfetzen wichen einem fröhlichen Zwitschern, wie er es aus Grünland kannte. Und endlich führte der Weg wieder bergab. Im hellen Sonnenlicht konnte er weit, weit vor ihm eine Allee und dahinter ein riesiges Gebäude mit Balkonen und unzähligen Türmen sehen. Galu wusste nun, dass er das Schlimmste überwunden hatte.

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