Galu erreicht die letzte Grenze
Galu hatte es geschafft. Nun würde er sich schnurstracks auf den Weg zu dem Schloss machen und alles wäre überstanden. Seine Großmutter, von der er noch immer keine genaue Vorstellung hatte, würde ihn in den Arm nehmen, vielleicht würde sie Tränen der Freude vergießen und sagen: „Da bist du also, mein kleiner Galu!“
Vielleicht aber, und dieser Gedanke war manchmal genauso stark in Galu, vielleicht gab es in diesem Gebäude gar keine Großmutter, vielleicht hätte er ja doch nach rechts gehen sollen, nach Besoram? Galu verschnaufte noch ein Weilchen, entspannte seine vom Klettern müde gewordenen Glieder. Dann raffte er sich auf und marschierte los. Und er marschierte schnurstracks auf eine kleine, verfallene Hütte zu. Als er nah herangekommen war öffnete sich eine Tür und eine riesige Person in einer grauen Tracht trat heraus, stellte sich kerzengerade vor ihm auf und führte eine Hand mit den Fingerspitzen an die Stirn. So blieb sie stehen und schien auf Galu zu warten.
„Grundgütiger!“ sagte die Person. „Was sind denn Sie für einer?“
„Was sind denn sie für einer? Sind Sie ein Mensch?“ fragte Galu, der merkwürdigerweise die Sprache verstand.
„Fragen müssen beantwortet werden. Ich wiederhole: Was sind denn Sie für einer?“
„Ein Glau!“ antwortete Galu.
„Glaue sind mir unbekannt!“ sagte der Mensch. „Sie wollen einreisen? Ihre Papiere bitte!“
„Ja, will ich …?“ stammelte Galu. „Ja ich will einreisen in das Land Sebabel, wenn ich hier richtig bin.“
„Richtig! Nun, dann zeigen Sie mal!“ Der Mensch senkte den Arm, und streckte Galu seine Hand entgegen.
Unwillkürlich nahm Galu seinen letzten Handschuh und streifte ihn über die Menschenhand. Er wusste schon, dass wohl nicht ganz das war, was der Mensch erwartet hatte. „Ich bin ein Glau, die Menschen sind schlau. Und mit einem Handschuh wird keine Hand vor Kälte blau!“
„Wollen Sie mich bestechen? Zeigen Sie ihre Papiere!“ war die ungehaltene Antwort. Galu dachte nach. „Ihre Papiere bitte!“ die Stimme wurde zornig.
„Meine Papiere“, dachte Galu. „Ach ja richtig, der Brief des Wegweisers“. Galu gab den Brief ab und sagte „Nun, mehr Papier habe ich nicht.“ Galu wurde unsicher. Der Mensch stutzte, sah auf das merkwürdig zusammengefaltete Blatt und wollte es entfalten.
„Das dürfen sie nicht. Dieser Brief ist doch für mich und nicht für Sie!“ Doch Galus Protest half nichts.
„Das ist alles, was sie haben? – Also. Es ist schwer…“ – und hier begann der Mensch zu lesen. „Hmhm“ machte er einige Male.
Dann baute er sich vor Galu auf und zückte ein anderes Blatt Papier und einen Stift.
„Sie sind also Galu? Ist das ihr Name?“
„Ja!“
„Nachname?“
„Das ist mein Nachname. Galu – sonst nichts.“
„Geboren – wann?“
„Ja also da…, wieso wollen Sie das wissen?“
„Sie wollen einreisen, wir müssen wissen wer Sie sind! So einfach ist das!“
